Was ist so sozial an Sozialplänen?

3. August 2003 | Von | Kategorie: Sozialpolitik

Was im heutigen Wohlfahrtsstaat selbstverständlich geworden ist, nehmen wir kaum mehr bewusst wahr: Sozialpläne haben in den seltensten Fällen noch mit der Vermeidung existentieller Notlagen zu tun. Vielmehr geht es um wohlerworbene oder gar vertragliche Ansprüche, die garantieren sollen, dass bei Entlassungen am gewohnten Lebensstandard möglichst keine Abstriche gemacht werden müssen. Auf diesem Denkmodell beruhen praktisch alle unsere sozialpolitischen Grossprogramme.

Die Menschen reagieren empfindlich nicht nur auf die absolute, sondern auch auf die relative Verschlechterung ihrer Einkommenslage, d.h. im Vergleich zu anderen. Diese Sensibilitäten gehen schon so weit, dass eine zunehmendeTendenz besteht, an politische Massnahmen mehr als das bekannte (absolute) Pareto-Kriterium anzuwenden ist: optimal ist eine Massnahme dann, wenn niemand auch relativ schlechter gestellt wird. Ein Muster lieferte vor einiger Zeit beispielsweise die Zürcher Abstimmungs-Kampagne gegen das EWZ-Vorhaben individueller Verträge mit Grossabnehmern. Der Plakat-Slogan lautete: Keine Billigtarife für Grossabnehmer. Auch aus Wahlergebnissen – z.B. in ehemals kommunistischen Staaten, in denen wieder frühere sozialistische Parteien an die Macht gelangen – lässt sich ableiten, dass viele Menschen lieber gleichmässig ärmer als ungleich reicher sind. Die gleiche Einstellung ist auch bei uns zu beobachten – ein Phänomen, dem der Begriff ‚Neidökonomie’ beizukommen sucht.

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