Energie: Globales Versagen der Politik

8. Mai 2008 | Von | Kategorie: Energiepolitik

In einer schweizerischen Sonntagszeitung konnte man jüngst im Zusammenhang mit dem rasanten Anstieg des Ölpreises folgenden Kommentartitel lesen: «Öl wird immer teurer, weil der Markt nicht spielt». Man kann sich leicht ausmalen, welche Reaktionen eine derart fahrlässig formulierte Botschaft auslöst: Aha, der Markt spielt nicht, also braucht es staatliche Eingriffe. Dass die Energiemärkte wegen ihrer strategischen Bedeutung seit je ohnehin stark unter politischem Einfluss stehen, geht dabei gerne vergessen. Sowohl beim Öl und Gas wie auch beim Strom ist der Staatseinfluss überall noch beträchtlich und scheint eher noch zuzunehmen. In der Ölexploration, -produktion und –vermarktung haben jedenfalls die früher dominanten privaten «sieben Schwestern» (Exxon, Mobil, Shell, BP etc.) gegenüber den staatlichen Ölgesellschaften dramatisch an Gewicht verloren.

Es könnte somit gut sein, dass die Märkte gar nicht richtig funktionieren können, weil die staatlichen Interventionen sie daran hindern. Politikversagen scheint tatsächlich einer der Gründe für die jüngsten Entwicklungen auf den Märkten für fossile Energieträger zu sein. Doch hängt dieses Politikversagen eng mit einem Marktversagen zusammen. Besonders die Versorgung der grossen Importregionen mit Öl und Gas verursacht seit langem hohe externe Kosten, die sich nicht in den Preisen niederschlagen.  Gemeint sind insbesondere die gewaltigen Sicherheitskosten einer Geopolitik, die zu einem grossen Teil auf dem Dogma der «billigen Energie» beruht. Möglichst tiefe Energiepreise sind aber kein vernünftiges volkswirtschaftliches Ziel, sondern es geht darum, dass Preise Knappheiten richtig ausdrücken, damit sich die Marktteilnehmer danach richten.

Wenn der amerikanische Präsident in Saudiarabien als Bittsteller auftritt und den dortigen Herrschern empfiehlt, die Ölproduktion zu erhöhen, handelt er als oberster Vertreter der energiesüchtigsten Gesellschaft der Welt und oberster Kriegsherr im Irak zwar politisch rational. Aber längerfristig wäre mit diesem opportunistischen Ansatz zur Reduktion der gegenwärtigen Knappheit nichts gewonnen. Das Gegenteil ist der Fall. Statt dass den Menschen in den reichen Ländern mit hohem Energiekonsum endlich klar gemacht wird, dass die Zeiten billiger Energie endgültig vorbei sind und dass sie sich auf neue Verhältnisse einzustellen haben, will man sie vor höheren Benzinpreisen schützen.

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