Warum nicht die Fähigsten nach oben gelangen

24. Februar 2009 | Von | Kategorie: Führung

Das Thema ist angesichts des unerhörten Versagens der Eliten, das in die gegenwärtige Wirtschaftskrise mündete, hochaktuell. Es geht jedoch nicht um individuelle Schuldzuweisungen. Interessant und dennoch oft übersehen sind die systemisch-institutionellen Fehlsteuerungen bei der Auswahl der obersten Führungspersonen. Vor einiger Zeit untersuchten Forscher mit ökonomischen Ansätzen Selektionsmechanismen in Organisationshierarchien. Sie stellten sich die Frage, weshalb oft nicht die fähigsten Leute nach oben gelangen. Als plausible Gründe nannten die Forscher:

  • Das berühmte Peter-Prinzip: Man wird ein Stufe zu hoch befördert und verfügt nicht über die notwendigen Kompetenzen für die neuen Aufgaben;
  • Die Vorsicht, fähige Leute durch Beförderung für andere Arbeitgeber zu markieren;
  • Den ‚Versicherungsvertrag‘: Mittelmässige Leute wollen keine echte Transparenz über Führungsleistungen, und sie akzeptieren bei Beförderung einen tieferen Lohn (Versicherungsprämie); dies kann für einen Arbeitgeber vorteilhaft erscheinen, so dass er mitmacht;
  • Die verbreitete Risikoaversion unter Aufsteigern: Fehlervermeidung ist wichtiger als Mut, vom Gewohnten abzuweichen.

Was in den Untersuchungen der Forscher als Begründung fehlte, waren die Kartellisierungtendenzen in Führungszirkeln und – damit zusammenhängend – die latente Solidarität unter den Mittelmässigen sowie das Ausweichen vor Leistungsdruck durch Bevorzugung von Leuten des eigenen Kalibers. Das Ergebnis sind zu homogene oberste Führungsgremien, in denen sich die Mitglieder in ihren (Vor-)Urteilen gegenseitig bestärken.

Auch die Qualität, die besonders erfolgreiche Unternehmer und Führungspersonen als Erfolgsrezept hochhalten, nämlich Leute für sich einzusetzen, die besser sind als man selbst ist, hat unter Führungsleuten wenig Anhänger. Das Selbstwertgefühl ist bei Vielen, die ehrgeizig nach oben wollen, oft unterentwickelt. Deshalb geschieht eher das Gegenteil: Fähige und zu Neuerungen bereite Leute werden von den mittelmässigen Ambitionierten als Gefahr empfunden und in gemeinsamer Anstrengung bekämpft und marginalisiert.

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