Schulversagen: Ökonomisches Analphabetentum

20. April 2009 | Von | Kategorie: Bildung/Schule, Fokus

Endlich bringt ein Lehrer das Schulversagen in Sachen ökonomischer Grundbildung in der NZZaS vom 19. April 2009 aufs Tapet. Ist ja nicht unbedingt von dieser Seite zu erwarten, wenn man an die latent wirtschaftskritische Haltung und das mangelnde Verständnis für ökonomische Denkansätze in der staatlich besoldeten Lehrerschaft denkt. Roland Aegerter schildert dabei bloss die desolaten Verhältnisse an den Gymnasien. Im grossen Rest der Schulen sieht es noch viel schlimmer aus. Dass mit der Vernachlässigung des Wirtschaftsunterrichts im Zuge der immer stärkeren Betonung «weicher» Fächer gesündigt wurde, entsprang – wie viele problematische Entwicklungen im Schulwesen – auch der 68er-Ideologie der Chancengleichheit durch Abbau der Anforderungen in «harten» Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften. Kein Wunder ist es, dass unter diesen Bedingungen die Schule generell feminisiert worden ist, wobei der Zusammenhang auch in umgekehrter Richtung gilt.

Wenn man bedenkt, dass beim Grossteil wichtiger politischer Vorlagen und in Volksabstimmungen ökonomische Aspekte eine zentrale Rolle spielen, kann man nur von einem eklatanten Versagen der Bildungspolitik sprechen. Das Bildungsmanko erlaubt es Politikern zum Beispiel, unbehelligt ihre «Fünfer-und-Weggli»-Versprechungen zu verbreiten, also so zu tun, als ob es beim Staat keine Konkurrenz um knappe Güter, keine «Trade-offs» und keine Opportunitätskosten gäbe. Die Tatsache, dass solche Begriffe in Diskussionssendungen an unseren Staatsmedien praktisch verboten sind, weil die Zuschauer/Zuhörer sie nicht verstehen, illustriert die Misere treffend. Dagegen führt ökonomische Bildung zu einer realistischeren Sicht der Politik. Man lernt, Politiker an der Wirkung ihrer Taten zu messen und nicht an schönen Versprechungen.

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