Wenn Ärzte streiken…

1. April 2009 | Von | Kategorie: Sozialpolitik

… wie am 1. April 2009, tun sie das selbstverständlich im Interesse der Patienten. Wenn die Bauern den Milchstreik ausrufen, tun sie das ebenfalls im Interesse der Konsumenten. Die Argumente von Ärzten und Bauern sind sich verblüffend ähnlich. Auch das Ausmass staatlicher Eingriffe erreicht im Gesundheitswesen agrarpolitische Dimensionen. Im medizinischen Sektor sind allerdings die Preisunterschiede zum umliegenden Ausland noch grösser als bei Agrargütern. Das kann angesichts der Überregulierung des Gesundheitswesens, den falschen Anreizen für Anbieter und Patienten und den föderalistisch fragmentierten und gegenüber dem Ausland abgeschotteten Gesundheitsmärkten nicht erstaunen. So sind medizinische Laborleistungen in der Schweiz, um die es beim Streik bekanntlich geht, drei bis vier Mal teurer als in Deutschland.  Die Ärzte-Propaganda zählt auf die Unterstützung der Patienten, weil diese von den heutigen (natürlich nicht ausgelasteten) Laborstrukturen profitieren würden. Dass Patienten immer auch Prämien- und Steuerzahler sind, die für die hohen Kosten der Gesundheitsversorgung letzlich aufkommen müssen, fehlt in der Argumentation der Ärzteschaft. Sie können leider darauf bauen, dass es unter dem heutigen System für die Patienten lohnend ist, das zu teure Gesundheitswesen auszunützen, weil sich ja die verursachten Mehrkosten auf die Gesamtheit der zahlenden Bevölkerung verteilen. Es ist genau diese individuelle Nutzen-Kosten-Maximierung , die das Gesamtsystem aus dem Gleichgewicht bringt.

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