A4 – die "nachhaltigste Autobahn"

20. November 2009 | Von | Kategorie: Politkommunikation

Am Freitag den 13. November eröffnete Bundesrat Moritz Leuenberger im Beisein von viel Politprominenz die A4 durch das Knonauer Amt. Freitag der 13. – ein nicht ganz unpassendes Schicksalsdatum für die Inbetriebnahme der „nachhaltigsten Autobahn“, wie sich Leuenberger in seiner Ansprache ausdrückte. Das vergleichsweise bei weitem kostspieligste Autobahnprojekt des Landes schönzureden, ist eine Herausforderung, der sich ein talentierter Rhetoriker gerne stellt.

Der Kanton Zug hatte den Autobahn-Anschluss bei Knonau 1975 fertig gestellt – dies in der Annahme, dass auch der Bund und der Kanton Zürich mit der Verbindung Grossraum Zürich-Zentralschweiz/Tessin vorwärts machen würden. Denn schliesslich handelt es sich bei diesem Autobahnstück um eine der wichtigsten Verbindungen im ganzen Netz. Man stelle sich einmal vor: Auf eine Autobahnverbindung zwischen Zürich und Zug/Luzern musste man bis ins Jahr 2009 warten, während viele Strecken von geringerer Bedeutung längst in Betrieb waren. Offensichtlich erfolgte der Ausbau des schweizerischen Autobahnnetzes zeitlich nicht primär verkehrspolitischen Erfordernissen, sondern es spielten zahlreiche, vor allem auch föderalistische, Motive eine Rolle.

Im Falle der A4 mobile.ae.org gelang es lokalen und umweltpolitischen Widerständen, den Bau der A4 über Jahre zu blockieren. Erst mit dem extrem teuren Projekt der „nachhaltigsten Autobahn“ konnte der Widerstand soweit gebrochen werden, dass der Bau überhaupt möglich wurde. Dass in den Politikeransprachen kein Wort über die enormen Kosten zu hören ist, kann nicht erstaunen. Die Rechnung wird ja später präsentiert, wenn die Damen und Herren längst zurückgetreten sind. War nicht jüngst in den Medien zu vernehmen, dass auf die Schweiz gewaltige Infrastruktur-Unterhaltskosten zukämen? Zum Beispiel sind Tunnelstrecken bei Autobahnen im Unterhalt rund zehn Mal teurer als offene Strecken. Die A4 besteht zur Mehrheit aus „nachhaltigen“ Tunneln. Diese mögen die Umwelt schonen, aber bestimmt nicht die Budgets von Staat und Bürgern. Wirtschaftlich nachhaltig dürften so teure Autobahnen im Speziellen und die schweizerischen Luxus-Verkehrsinfrastrukturen im Allgemeinen kaum sein. Dies wird sich aber erst zeigen, wenn dereinst die enormen Unterhalts- und Sanierungskosten sicht- und spürbar werden.

Gemäss Zeitungsberichten ironisierte Leuenberger in seiner Eröffnungsansprache die „wechselvolle Entstehungsgeschichte“ der A4. Dies war er seinem Ruf als launiger Redner schuldig. Zum Lachen besteht aber kein Grund, denn was Leuenbergers Ironie nicht vergessen lassen kann: Der volkswirtschaftliche Verlust an Verkehrseffizienz durch 15 bis 20 Jahre Verzögerung einer Autobahnverbindung zwischen dem Grossraum Zürich und der Zentralschweiz/Tessin geht in die x Milliarden. Doch Leuenberger weiss: Diese Kosten sind nirgends sichtbar und spielen politisch deshalb keine Rolle.

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