Schmelzende Gletscher – Ikonen der Klimaalarmisten

25. Februar 2010 | Von | Kategorie: Fokus, Klima und Kyoto

In der Sendung „Club“ des Deutschschweizer Fernsehens am 16. Februar schilderte Nationalrätin Franziska Teuscher ihr Walliser Ferienerlebnis: Der Anblick des drastisch geschrumpften Aletschgletschers habe ihr bestätigt, dass es höchste Zeit sei, gegen den Klimawandel wirksame Massnahmen zu ergreifen. Die gewiefte Politikerin weiss, wie man das Publikum beeindruckt. Neben Frau Teuscher sass in der Sendung ETH-Professor Andreas Fischlin, leitender Autor für die Klimaberichte des UNO-Weltklimarats IPCC. Mit der Autorität des Friedensnobelpreisträgers (als der er sich im „Club“ ankündigen liess) hätte Professor Fischlin dem Fernsehpublikum erklären können, was die grüne Nationalrätin natürlich längst weiss: Wie andere Alpengletscher schrumpft der Aletschgletscher schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts und nicht erst seit Ende der 1970er-Jahre, als die Erwärmungsphase begann, auf die sich die Treibhausgas-Hypothese stützt. Gegen 1850 endete die etwa 400 Jahre lange Kleine Eiszeit, eine Periode weltweit relativ kühler Temperaturen. Professor Fischlin liess aber Klimaalarmistin Teuscher unbehelligt – ganz im Einklang mit der IPCC-Linie. Führende IPCC-Leute haben verschiedentlich öffentlich erklärt, man könne die Leute und die Politiker nur mit schockierenden Aussagen davon überzeugen, dass möglichst rasch gegen den Klimawandel vorzugehen sei.

The Snows of Kilimanjaro
Eine beliebte Ikone der Klimaalarmisten ist die schmelzende Eiskappe des majestätischen Kilimandscharo. Auch Al Gore, Nobelpreis-Kollege von Professor Fischlin und weltweit bekanntester Klimaalarmist, verwendete die Story vom Verschwinden der Kilimandscharo-Eiskappe in seinem Film „Eine unbequeme Wahrheit“. Was die Forschung zum Rückgang des Kilimandscharo-Eises sagt, kann man im Buch „Climate of Extremes“ der Umwelt- und Klimaforscher Patrick J. Michaels (IPCC-Autor) und Robert C. Balling nachlesen. Erstens hatten die Gletscher des Kilimandscharo nach Ende der letzten Eiszeit, als es während mehrerer Jahrtausende ohne menschliches CO2 wärmer war als heute, eine viel grössere Ausdehnung als in jüngster Zeit. Zweitens hat die Forschung festgestellt, dass in Ostafrika um 1880 ein markanter Rückgang der Feuchtigkeit in der Atmosphäre stattfand. Damals begannen gleichzeitig zum Rückgang der Gletscher die Spiegel der ostafrikanischen Seen zu sinken. Die Ausdehnung der Kilimandscharo-Eiskappe hat offenbar primär mit der Luftfeuchtigkeit zu tun. So ist es auch nicht überraschend, dass die Gletscher an den Flanken des Berges zwischen 1912 und 1953, als es noch keinen nennenswerten CO2-Einfluss gab, stärker zurückgingen als heute. Die Schrumpfungsrate zwischen 1989 und 2003 war sogar die kleinste in der untersuchten Periode von 1912 bis 2003. N.J. Cullen (Universität Innsbruck) und Co-Autoren folgerten in einem Beitrag in der Zeitschrift Geophysical Research Letters im Jahr 2006, dass die Gletscher des Berges als Überreste eines früheren Klimas zu sehen seien. Als Ikone für den menschenverursachten Klimawandel scheidet der Kilimandscharo also aus.

„Wenn Grönland auseinanderbräche…“
Aus „Climate of Extremes“ stammen auch die folgenden Informationen. In der Fernsehsendung Larry King Live mit Al Gore als Gast im Jahr 2007 rief eine Frau an und wollte von Gore wissen, wie der Klimawandel die Sicherheit der USA in den kommenden zehn Jahren betreffen würde. Eine der Horrorgeschichten, die Gore der armen Frau auftischte, klang so: „Wenn Grönland auseinanderbräche oder die West-Antarktis, oder die Hälfte von einem der beiden oder von beiden, hätten wir einen Anstieg des Meeresspiegels von über sechs Metern, und das würde zu mehr als 450 Millionen Klimaflüchtlingen führen.“ Was sagt die offizielle Klimaforschnung zum „Auseinanderbrechen von Grönland“? Der Vierte Sachstandsbericht des IPCC enthält eine Schätzung aus einem Computermodell, das eine im Vergleich zu heute fast dreimal höhere CO2-Konzentration annimmt. Diese Modellschätzung ergibt, dass es unter den genannten extremen Bedingungen für einen Eisverlust von 50 Prozent fast 1000 Jahre bräuchte. Und was sagen Satellitenbeobachtungen, die effektive Veränderungen messen? In der Wissenschaftszeitschrift Science lieferten der NASA-Forscher Scott Luthcke und Co-Autoren im Jahr 2006 Zahlen. Satelliten massen für Grönland einen Eisverlust von ca. 100 km3 pro Jahr. Die gesamte Eismasse Grönlands beträgt 2.85 Millionen km3. Das ergibt eine Verlustrate von 0.4 Prozent – nicht pro Jahr, pro Jahrhundert! Auch Grönland eignet sich nicht als Ikone des Klimawandels.

Selber denken, statt glauben
Klimaalarmismus ist fehl am Platz. Aus den Stories der Medien und den Aussagen opportunistischer Politiker erhält man ein verzerrtes Bild der Klimaproblematik. Aber auch gegenüber der offiziellen Klimaforschung, verkörpert im Weltklimarat IPCC, ist Skepsis angebracht. Dies nicht nur wegen dem Flop im letzten Klimabericht des IPCC mit dem Abschmelzen der Himalayagletscher bis 2035. Wer sich besser informieren will, sollte sich vor allem auch in der lebendigen, allerdings vorwiegend angelsächsischen Blogosphäre des Internets umsehen. Dort wird heute jene Transparenz und Öffentlichkeit der Forschung gepflegt, die in der durch das IPCC politisierten Klimaforschung nicht durchwegs gelebt wird – siehe „Climategate“. Professor Fischlin meinte zwar im „Club“, die Leute hinter diesen Blogs seien wenig qualifizierte Randfiguren des Forschungsbetriebs, die aus irgendwelchen dunklen Motiven darauf aus seien, das Publikum zu verwirren. Solange Klimaforscher mit solchen Ansichten als IPCC-Stimmen in der Öffentlichkeit auftreten, ist es besonders angezeigt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ein Wissensmonopol des IPCC ist abzulehnen. Selber denken, statt nur glauben, was aus dem Klima-Vatikan IPCC kommt – diese Maxime müsste speziell in der Schweiz gelten, wo die klimapolitische Mitsprache der Bevölkerung weiter geht als in anderen Demokratien.

Ein leicht redigierte Fassung dieses Textes erschien im Februar 2010 in der Wochenzeitschrift „Die Weltwoche“

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