Die Spielzeug-Autos des WWF

3. Juni 2010 | Von | Kategorie: Fokus, Klima und Kyoto

In der politischen Debattiersendung „Arena“ des Deutschschweizer Fernsehens vom 28. Mai 2010 warb der WWF-Vertreter Patrick Hostetter mit zwei Spielzeugautos für tiefe CO2-Emissionsgrenzwerte bei Personenwagen. Er zeigte zwei identisch aussehende Miniatur-PKW derselben Marke mit dem gleichen Raumangebot und wies auf den grossen Unterschied beim CO2-Ausstoss hin. Während das erste Modell gegen 200g CO2/km produziere, komme das zweite Modell nur auf knapp 130g/km. Zudem sei das umweltfreundliche Modell erst noch rund CHF 15’000 billiger als das andere. Die Kernaussage lautete, es sei also kein Problem, beim individuellen Personenverkehr durch tiefe gesetzliche Grenzwerte CO2 einzusparen.

Diese medienwirksame Demonstration des WWF-Vertreters wirft zwingend eine interessante Frage auf. Weshalb kaufen viele mündige Menschen das beträchtlich teurere Auto mit dem hohen CO2-Ausstoss? Interessant ist diese Frage vor allem auch deshalb, weil sie das mangelnde Verständnis von Herrn Hostettler (wie vieler anderer Leute mit Einfluss) für ökonomisches Denken illustriert. Was der WWF-Vertreter nämlich verschwieg, jedoch aus dem Preisvergleich sofort abzuleiten war: Das billigere und umweltfreundlichere Auto ist mit einem schwächeren Motor ausgerüstet. Damit ist stets auch eine weniger aufwendige Austattung des gesamten Fahrzeugs verbunden. Bestimmt ist das schwächere Fahrzeug auch leichter. Es gibt somit zwischen den beiden Fahrzeugen deutliche Unterschiede, die aber durch das gleiche Aussehen der Spielzeugautos von Herrn Hostettler einfach verwischt wurden. Mit diesen Unterschieden lässt sich begründen, weshalb es für das stärkere und teurere Auto überhaupt einen Markt gibt. Die Käufer werten den Zusatznutzen höher als die Mehrkosten. Wer die Nutzenunterschiede zwischen den beiden Autos einfach ausblendet, verkennt deren volkswirtschaftliche, d.h. wohlstandsoptimierende Bedeutung und gelangt politisch zu falschen Schlüssen – nämlich zu staatlichen Geboten und Verboten.

Den wesentlichen Punkt verschwieg der WWF-Vertreter: Von zwei Autos mit gleicher Motorenleistung muss dasjenige teurer sein, das den niedrigeren CO2-Ausstoss hat. Technologischer Fortschritt in Form einer Effizienzsteigerung (tieferer Verbrauch bei gleicher Leistung) ist nicht gratis zu haben. Will also ein Käufer eine bestimmte Motorisierung seines Wagens, hat er die Kriterien Preis und Umweltfreundlichkeit gegeneinander abzuwägen.

Schreibe einen Kommentar