Radio DRS2: „Demokratie in der Krise“

5. November 2010 | Von | Kategorie: Mediawatch

Mail an Radio DRS2 zur Sendung „Kontext“ vom 5. November 2010:

Guten Tag
 
Die Tendenz Ihrer (wirtschafts-)politischen Sendungen ist ein dauerndes Ärgernis. Einmal mehr beglückten Sie in der heutigen Kontext-Sendung den zwangsgebührenbesteuerten Zuhörer mit einer einseitigen Runde von sogenannten Experten: zwei Politologen (mit bekannten ideologischen Neigungen) und einem Philosophen. Wenn man seriös über Demokratie und Markt diskutieren will, ist es eine unentschuldbare Unterlassung, keinen Ökonomen einzuladen. Der würde den stereotypen Generalisierungen von Philosophen und Politologen (zum Beispiel „Primat des Marktes über die Politik“ oder die moralische Qualität von „Solidarität“ in staatlichen Zwangs-Rentensystemen) bestimmt hie und da ein paar Fakten entgegenhalten und ein paar Dinge klarstellen. Es ist einfach fahrlässig, mit welcher Nonchalance diese „Experten“ über wirtschaftliche Aspekte und Zusammenhänge, unbehelligt von der Moderation, unhaltbare Pauschalaussagen absondern.
 
Aber eben: Wenn schon in den Redaktionsstuben das Verständnis für die Denkweise, das analytische Instrumentarium und die fakten- und handlungsbasierte Perspektive der Ökonomie nicht vorhanden ist, was soll man anderes erwarten? Der einzige Trost: Kaum jemand hört sich solche Sendungen an, wohl höchstens Leute, die ohnehin schon an den ermüdenden „linksliberal-sozialdemokratisch-feministisch-urbanen“ ideologischen Einheitsbrei von Radio DRS2 glauben. Warum meint man eigentlich bei DRS2, kritisches Radio bedeute immer nur Kritik an Markt und Privatwirtschaft? Hat man als Staatsmedium Angst vor Kritik an Staat und Politik? Nicht Kritik an Personen oder einzelnen Parteien, sondern an den Fehlleistungen von politischen Entscheidungsinstanzen ohne Rücksicht auf die Parteizugehörigkeit! Dazu hätten gerade Ökonomen viel zu sagen, weil nämlich die fruchtbarsten Beiträge zur Politikwissenschaft der letzten Jahrzehnte vor allem von ökonomischer Seite kamen. Einige Nobelpreise zeugen davon.

Gruss

Hans Rentsch

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