Radio DRS2: „Wenn Wettbewerb nur Unsinn produziert“

16. November 2010 | Von | Kategorie: Mediawatch

Mail an Radio DRS2 zur Sendung „Kontext“ vom 16. November 2010 (leicht redigiert):

Guten Tag

Als Zwangsgebührenzahler stelle ich fest: Ein weiterer markt- und wettbewerbskritischer Beitrag, diesmal mit dem „Nischen-Ökonomen“ Binswanger (im Sinne seiner eigenen Worte) über sein neues Buch. Offenbar meint man in den Redaktionen der Schweizer Staatsmedien, Gesellschaftskritik erschöpfe sich darin, Kritiker von Marktwirtschaft und Kapitalismus zu Wort kommen zu lassen. Werde ich es noch erleben, dass irgendwann einmal ein politik- und staatskritischer Ökonom seine Meinung verbreiten darf? Anlass dazu gäbe es genug, und sei es nur, um die vor allem von Nicht-Ökonomen stereotyp verbreitete Pauschalbehauptung vom Primat des Marktes über die Politik zu relativieren. 

Gerade Binswanger hat dazu ein paar schöne Beispiele genannt, allerdings mutwillig verkehrt aufgehängt an seinem Buchthema: Die Bürokratisierung in Bildung und Gesundheitswesen hat natürlich politisch-staatliche Ursachen, weil man Markt und Wettbewerb nicht zulassen will, der im Gegensatz zu den pauschalen Behauptungen von Binswanger in viel grösserem Ausmass möglich wäre, als es heute der Fall ist. Gerade das Gesundheitswesen (KVG) ist mit seinen wegen Fehlanreizen ausufernden Kosten ein eklatantes Beispiel von Politikversagen. Fragen Sie dazu mal Prof. Jürg Sommer von der Uni Basel, aber auch ihn ohne „korrigierende“ Gegenmeinung! In diesem Zusammenhang: Die Behauptung von Binswanger, heute mache man undemokratische Gesundheitsreformen ohne die Ärzte, ist schlicht und einfach falsch. Der frühere Gesundheitsminister Couchepin, der es wissen musste, sagte dazu: Eine Gesundheitsreform ohne die Ärzte ist in der Schweiz nicht möglich. Und weshalb kosten wohl Laboruntersuchungen und medizinische Geräte in der Schweiz drei bis vier Mal so viel wie in Deutschland? Weil wir zu viel Markt und Wettbewerb haben? Genau das Gegenteil ist der Fall. Das Schweizer Gesundheitswesen ist staatlich überreguliert, und ständig wird mit dem Killer-Argument „Gefahr der Zweiklassen-Medizin“ jegliche wirksame Reform abgewürgt. Stattdessen schräubelt man ein wenig an Medikamentenpreisen und lenkt mit Kritik an der Pharmalobby von den wahren Ursachen des Schlamassels ab.

Wahrscheinlich ist es einfach zuviel verlangt, von einem staatlichen Monopolmedium staats- und politikkritische Beiträge zu erwarten, die den übermässigen staatlichen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die zunehmende Einschränkung der individuellen Wahl- und Handlungsfreiheit thematisieren. Klar, wenn halt in den Redaktionen drei Viertel der Mitarbeiter zu linken Parteien neigen, entsteht dieses Klima des ideologischen Einheitsbreis, das nicht zuletzt auch so langweilige und völlig unkritische Moderationen hervorbringt wie in dieser Kontextsendung mit Binswanger. Keine einzige kritische Frage, nur Stichwörter, damit die Binswangers oder andere Befragte ihre Thesen erläutern können. Um da auch mal kritisch entgegenzuhalten, bräuchte es allerdings Moderatoren mit dem notwendigen (ökonomischen) Fachwissen. Aber es sieht ganz danach aus, als seien die Staatsmedien und besonders DRS2 vor allem auch schön bezahlte Fluchtorte für Phil I-er(innen)  –  eine Fachrichtung, wo der Hochschuloutput an Absolventen die Nachfrage bekanntlich permanent übersteigt

Freundliche Grüsse
Hans Rentsch

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