Radio DRS2: Analytisch auf der Nulllinie

1. März 2011 | Von | Kategorie: Mediawatch

Mail an Radio DRS2 vom 27. Januar 2011:

Guten Tag

Frau Schett ist bei DRS2 offenbar zuständig für die kritiklose Propagierung von Sachbüchern, deren analytischer Gehalt insbesondere aus ökonomischer Sicht gegen Null tendiert. Was dieser Historiker Straub an wirren Verknüpfungen und Geistessprüngen von Kapitalismus zu Nationalsozialismus und Kommunismus macht (an allem sind die „Werte“ schuld), ist geradezu abenteuerlich. Es gilt ja bloss, seine These von der „Tyrannei der Werte“ mit irgendwelchen abstrusen Bezügen und Begrifflichkeiten zu stützen. Die behaupteten Befindlichkeiten „vieler Menschen“, die unter den „gesetzten Werten“ unter Druck geraten und daran leiden, werden durch keinerlei erhobene Fakten (zum Beispiel aus Befragungen) gestützt. Solche Befragungen zeigen etwa, dass die Leute in wohlhabenden, d.h. marktwirtschaftlich-rechtsstaatlich organisierten Staaten, also in einer „ökonomisierten“ Gesellschaft am glücklichsten sind. Der Gipfel der Unsachlichkeit wurde erreicht als Straub faselte, die Würde des Menschen bleibe heutzutage oft auf der Strecke, wobei er suggerierte, früher – d.h. zu feudalistischen Zeiten als die Tugenden des Adels massgebend waren – , sei es mit der Menschenwürde offenbar besser gewesen. Schwachsinniger geht’s nicht mehr…

Als Zwangsgebührenzahler fordere ich die DRS2-Redaktion ein weiteres Mal auf, endlich zu versuchen, sich aus ihren Befangenheiten zu lösen und auch mal Stimmen zu Wort kommen zu lassen, welche die real existierenden Zustände in Politik und Wirtschaft aus einer (radikal-)liberalen Warte kritisch kommentieren, statt immer nur aus dieser langweiligen und analytisch schwachen Sicht der Marktwirtschafts- und Kapitalismusskepsis des Mehrheitsjournalismus.

Ich empfehle zur aufklärenden Lekture das Buch von Thomas Sowell „Intellectuals and Society“. Der Ökonom kritisiert, dass sich Intellektuelle aus einem Gefühl der Selbstüberschätzung zu Dingen äussern, von denen sie gar nichts verstehen oder nichts verstehen wollen, weil es ihr Weltbild stören würde. Er weist anhand von Beispielen nach, wie Intellektuelle (Nicht-Ökonomen) mit „verbal virtuosity“ den schwachen analytischen und empirischen Gehalt ihrer vorgefassten Meinungen übertünchen, worauf die Leute leider immer wieder reinfallen.

Freundliche Grüsse
Hans Rentsch

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